Rheinhessen Weinanbaugebiet

Weinregion Rheinhessen

Rheinhessen ist die erste Region im heutigen Deutschland, für die der Weinbau nachgewiesen wurde. Mitgebracht und angepflanzt haben die Reben schon vor über 2.000 Jahren die Römer. Von hier aus hat sich der Weinbau wahrscheinlich in die umliegenden Regionen ausgebreitet. Tatsächlich ist Rheinhessen eine besondere Kulturlandschaft: In der Eigendarstellung gerne als “Land der tausend Hügel” beworben, wird es von den Einheimischen manchmal auch (mehr oder weniger) liebevoll als “Weinwüste” bezeichnet – Rheinhessen die Region mit dem geringsten Waldbestand Deutschlands. Wer braucht schon Bäume, wenn allenortens Reben wachsen?

Fairerweise muss man sagen, dass nicht alles auf das Konto des Weinbaus geht, auch ansonsten wird viel Landwirtschaft betrieben. Dennoch kann man in der Region stellenweise schon den Eindruck einer Monokultur gewinnen, was aus eigener Erfahrung für weniger weinaffine Menschen nicht so attraktiv wirkt. Wer aber gerne Wein trinkt und die dazugehörige Landschaft zu schätzen weiß, ist hier gut aufgehoben. Die fast unüberschaubare Vielzahl der Weingüter – über 4.000 Winzer*innen gibt es hier – lohnt eine Entdeckungsreise. Hier finden sich viele, v.a. kleine Betriebe, die tolle Weine zu günstigen Preisen anbieten.

Wo liegt Rheinhessen?

Rheinhessen liegt im “magischen Viereck” begrenzt durch Mainz, Bingen, Alzey und Worms

Entgegen seines Namens liegt Rheinhessen nicht im Bundesland Hessen, sondern auf der anderen Rheinseite in Rheinland-Pfalz – früher war das mal zeitweise anders. Grob geographisch eingrenzen lässt es sich durch die beiden nördlichen, am Rhein gelegenen Städte Bingen und Mainz sowie das südöstlich gelegene Worms und das südwestliche Städtchen Alzey. Der Rhein und die umgebenden, schützenden Mittelgebirge Hunsrück, Taunus, Odenwald und Nordpfälzer Bergland sorgen für ein sehr mildes Klima, neben dem Breisgau gehört Rheinhessen zu den wärmsten und trockensten Regionen in Deutschland – entsprechend findet man hier neben Reben auch viele Obstbäume.

Welche Böden gibt es in Rheinhessen?

Rheinhessen ist das größte Weinbaugebiet Deutschlands. Mit rund 26.500 Hektar liegen hier etwas mehr als ein Viertel der deutschen Rebflächen von aktuell knapp 102.500 ha. Schon allein aufgrund der Größe hat man es hier mit einer Vielzahl an Bodenformationen zu tun. Man findet hier Kalkstein, Löß, Mergel, Ton- und Sandböden. Es gibt aber auch Gesteinsformationen aus Quarzit und tiefgründigem Porphyr.

Welche Weine werden in Rheinhessen angebaut?

Weißwein

Riesling
Müller-Thurgau
Silvaner
Weißburgunder
Scheurebe

Rotwein

Dornfelder
Portugieser
Spätburgunder

Früher und heute ist Rheinhessen v.a. Weißweinland, auch wenn es mit dem Dornfelder, dem Spätburgunder und Portugieser auch einige verbreitete Rotwein-Sorten gibt (dazu gesellen sich natürlich einige weitere rote Sorten, wie Regent und St. Laurent, die flächenmäßig jedoch nicht so ins Gewicht fallen). Mit knapp über 70 Prozent liegen hier die weißen Rebsorten etwas über dem bundesweiten Durchschnitt.

Deutschlands meistangebaute Rebsorte Riesling führt mittlerweile auch das – Achtung: Wortspiel – Rebsorten-Ranking in Rheinhessen und hat somit die zuvor dominierende Rebsorte Müller-Thurgau/Rivaner abgelöst – wobei sie eigentlich mit je über 4.000 ha fast gleich auf liegen. Dazu kommen v.a. Silvaner (größtes Silvaner-Gebiet der Welt) sowie Weißburgunder, dessen Anbauflächen mittlerweile die der vor einigen Jahrzehnten in der Region noch stark verbreiteten Rebsorten Kerner, Scheurebe, Gewürztraminer und Faber teils deutlich übersteigen.

Welche Weine sollte man unbedingt in Rheinhessen probieren?

Weinberge in Rheinhessen

Zum Riesling lässt sich sagen, dass er in seiner rheinhessischen Ausprägung meist (nicht immer) nicht so spritzig und säurebetont rüberkommt, wie die berühmten Rieslinge aus dem Rheingau oder von der Mosel. Was aber keinesfalls bedeutet, dass der Rheinhessen-Riesling links liegen gelassen werden sollte. Wir haben schon tolle, fruchtig-frische Rieslingweine aus der Region getrunken, die – nicht zu verachten – zudem im Schnitt günstiger zu haben sind, als die entsprechenden Vertreter aus den beiden genannten Anbaugebieten. Auch ansonsten lohnt sich das Probieren: Wer Rivaner oder Silvaner für langweilig hält, wird hier des Öfteren eines Besseren belehrt.

Auch wenn qualitativ die rheinhessischen Rielsinge ganz weit vorne liegen, sollte man auf jeden Fall einen Müller-Thurgau probieren. Der flächenmäßige Anbau liegt gleichauf mit dem Riesling und ist ein leichter und dennoch würziger und gefälliger Trinkwein.

Nicht außer Acht zu lassen sind auch die Silvaner. Viele Winzer der jungen Generation haben sein Potenzial erkannt und widmen sich mit Hingabe der Herstellung dieser Weine. Silvaner sind eher zurückhalten im Duft, können geschmacklich aber durchaus kräftig sein. Die Besonderheit an dieser Rebsorte ist, dass sich der Geschmack je nach Bodenbeschaffenheit, auf dem die Reben wachsen, im Wein wiederspiegelt.

Besonderheiten in Rheinhessen

In Rheinhessen wächst schon lange und immer mehr Biowein – mittlerweile kommt rund die Hälfte des deutschen Bioweins aus der Region, ganz Rheinland-Pfalz kommt auf einen Anteil von 70 Prozent. Dazu muss freilich gesagt werden, dass sowieso schon über 60 Prozent der deutschen Rebflächen in Rheinland-Pfalz liegen…

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